2 connect Business

Zusammen auf dem Weg zu einer nachhaltigen Wirtschaft: „Viele Chancen für KMU-Unternehmer im Bioenergiesektor“
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Professor Christof Wetter von der Fachhochschule Münster ist sich sicher: Im Energiesektor können kleine und mittlere Unternehmen viel Geld verdienen. Das einzige was nötig ist, seien ein gutes Konzept und Überzeugungskraft. Wetter war einer der Redner bei einer Veranstaltung des INTERREG IV-A-Projekts „2 connect Business“ in Cuijk. Etwa 50 deutsche und niederländische Energieunternehmer fanden sich zusammen, um sich über nachhaltige Wirtschaft und den Gebrauch von Biomasse in Deutschland und den Niederlanden zu informieren. Auf dem Programm standen unter anderem ein Workshop über nachhaltige Wirtschaft und eine Rundführung über das Gelände des Biokraftwerks von Essent in Cuijk. Essent ist eine niederländische Tochtergesellschaft von RWE.

Schade drum: Ein voll funktionstüchtiges Biokraftwerk, das mit Hilfe von Hackschnitzeln Ökostrom erzeugen kann, aber seit eineinhalb Jahren still liegt. Der Grund dafür? Hackschnitzel sind viel zu kostbar geworden – Martin Prins von Essent spricht daher mit schwerem Herzen darüber. Trotzdem lässt er das Kraftwerk auf die deutschen und niederländischen Energieunternehmer wirken: die Silos, die Brennkammer, die Dampfturbine und den Generator. Das Kraftwerk könnte Strom für rund 60.000 Haushalte liefern.

Der Plan ist es, dem Kraftwerk neues Leben einzuhauchen, indem rundherum ein „BioBased Economy Park“ entwickelt wird. Darin soll Biomasse optimal und nachhaltig als Ersatz für fossile Brennstoffe genutzt werden. Zuerst sollen Wärme und Dampf, die bei der Elektrizitätserzeugung entstehen, bei Produktionsprozessen von umliegenden Unternehmen und einer unter Leitung von ZLTO stehenden Biomineralfabrik eingesetzt werden. In der Biomineralfabrik sollen Güllefeststoffe von Viehhaltungsbetrieben aus der Region getrocknet und zu jährlich rund 63.000 Tonnen organischen Biomineralkörnern verarbeitet werden. Diese hochwertigen Biomineralkörner können an Landwirte in ganz Europa verkauft werden. In Zukunft ist es das Ziel, hochwertige Komponenten für z.B. Tierfutter, Medizin und Kunststoffe aus einem Mix von lokalem Strom aus Biomasse zu erhalten und allein mit dem Reststrom Ökostrom und Wärme zu erzeugen. Das Kraftwerk soll 2015 wieder in Betrieb genommen werden.

Nachhaltige Wirtschaft
Eine nachhaltige Wirtschaft basiert auf dem Prinzip, dass Biomasse unter anderem in Nahrung, Werkstoffe, chemische Produkte oder Biokraftstoffe umgewandelt wird. Laut Gulden Yilmaz von der GreenTechAlliances sind bereits viele Unternehmen aus dem Osten der Niederlande in dieser Branche aktiv. „Das Bioeconomy Innovation Cluster Oost Nederland (BICON) verbindet die Unternehmen und beschleunigt die innovativen nachhaltigen Entwicklungen in und rund um Gelderland und Overijssel. BICON ist ein breit aufgestelltes Cluster mit einem mehrjährigen Programm, in dem Unternehmen, wissenschaftliche Einrichtungen und Provinzen ihre Kräfte bündeln. Durch die gezieltere Entwicklung von regionalen Stärken, die Einrichtung von Innovationszentren und finanzielle Unterstützungen soll der Übergang von fossilen zu erneuerbaren Rohstoffen realisiert werden.“
Daher wurde GreenTechAlliances, das Innovationsprogramm vom EMT-Sector (Sektor Energie- und Umwelttechnologie), von der Provinz Gelderland und BICON aufgebaut. Das Cluster bringt Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen aus dem Osten der Niederlande zusammen, die sich für einen schnellen Übergang zu einer nachhaltigen Wirtschaft einsetzen.

Deutsch-niederländische Biomasse-Datenbank
Nach Gulden Yilmaz kam auch Prof. Dr.-Ing. Wetter von der Fachhochschule Münster im Workshop zur nachhaltigen Wirtschaft zu Wort. Die FH Münster arbeitet innerhalb verschiedener „Green Gas“-Projekte mit niederländischen Partnern wie der Universität Twente und der Saxion Hochschule zusammen. In diesem Zusammenhang wurde eine Datenbank aufgebaut, in der so viel Wissen wie möglich über die Verarbeitung von Biomasse zusammengetragen wird. So können beide Länder ihr Wissen und ihre Erfahrungen untereinander teilen. Professor Wetter ist der Meinung, dass der Übergang zur nachhaltigen Wirtschaft noch viel zu langsam vonstatten geht. „Innovative Ideen werden oft nach einigen Jahren der Entwicklung wieder zurück in die Schublade gelegt, um sie nach einer gewissen Zeit wieder hervorzuholen. Meistens werden Neuerungen erst nach zehn oder 20 Jahren durchgeführt. Das kann schneller gehen, indem kleine und mittlere Unternehmen bei Innovationen einbezogen werden, da diese sofort mit neuen Entwicklungen starten können.“ Seiner Meinung nach ist auch das INTERREG-Programm der Euregio eine gute Plattform für Partnerschaften zwischen deutschen und niederländischen wissenschaftlichen Einrichtungen.

Chancen nutzen
Zum Schluss gab Wetter den Unternehmern noch einen Tipp: „Suchen Sie sich ein innovatives Produkt, bei dem Privatpersonen oder Unternehmen Kosten sparen können, beispielsweise energiesparende Fensterscheiben. Es kann an so vielen Stellen sparsamer mit Energie umgegangen werden, hier liegen für Unternehmen im Energiesektor große Chancen.“ Er gab einige Beispiele: Die größten Stromverschwender innerhalb einer Gemeinde sind die Klärwerke und die Straßenbeleuchtung. Auch Schulen, Schwimmbäder und Sportstätten verbrauchen viel zu viel Strom, so Wetter. Hier kann noch viel Gewinn erzielt werden. Auch auf dem Gebiet von elektrischen Dienstautos und Energiespeicherungstechniken sieht er große Möglichkeiten. Für den anwesenden Lambert van Nistelrooij, der für die christdemokratische CDA im Europaparlament sitzt, hatte er noch einen Auftrag: die Einführung einer Chipkarte für den Öffentlichen Verkehr in Europa – ganz nach niederländischem Vorbild. Sie sei besser für die Umwelt und könne von jedem Europäer genutzt werden.

Autor: Julian Binn, mediamixx

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