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Beratungsanfrage
Elektroinstallationen in den Niederlanden Autor
Frage

Unsere Firma soll in den Niederlanden in Wohngebäuden Elektroinstallationen durchführen. Welche Genehmigungen sind erforderlich? Was ist hinsichtlich Umsatzsteuer und Sozialversicherung der entsendeten Mitarbeiter zu beachten?

Unternehmer/in
Niederlande

bis 10 Mitarbeiter
Antwort

Für die geplanten Elektroinstallationsarbeiten in den Niederlanden benötigen Sie:

1. EU-Erklärung Ihrer Handwerkskammer zum Nachweis darüber, dass Sie in Deutschland die Berechtigung haben, ein selbständiges Elektro-Unternehmen zu führen.

2. Anerkennung der Stichting Sterkin als REI-Installateur für den Bereich Elektro (Zertifizierung ist freiwillig!, allerdings sinnvoll, wenn man mit den Zählerkästen zu tun hat, dieses sind verplompt. Nur Installateure, die eine niederländische Zertifizierung besitzen, dürfen an diesen Zählerkästen arbeiten).

Das Antragsformular für die Anerkennung bei der Stichting Sterkin können Sie unter www.sterkin.nl downloaden. Klicken Sie hierzu auf „Installateurs“, „Inschrijven en Wijzigingen“ und dann auf „aanvraagformulier voor een REI (elektra) erkenning. Die deutschsprachige Übersetzung des Antragsformulars können Sie bei der

Kreishandwerkerschaft Borken
EU Referat
Europaplatz 17
46399 Bocholt
Tel: ++49-(0)2871-252421
eu-referat@kh-borken.de

Dem Antragsformular müssen Sie neben der EU-Erklärung einen aktuellen Handelsregisterauszug und eine Kopie des Meisterbriefs beifügen. Nach Antragstellung ist eine Gebühr von 66,15 € zzgl. 21 % Mehrwertsteuer (BTW) zu zahlen. Hierzu erhalten Sie von der Stichting Sterkin nach Eingang der Antragsunterlagen eine Rechnung.

Bei der Anerkennung wird überprüft, ob Ihre Messinstrumente den niederländischen Anforderungen genügen. Hierzu gibt es eine Messinstrumentenliste der Stichting Sterkin für den Bereich Elektro. Eine deutschsprachige Übersetzung der Liste kann ebenfalls bei der Kreishandwerkerschaft Borken angefordert werden. Ein von der Stichting Sterkin beauftragtes Inspektionsunternehmen kommt für die Prüfung in Ihr Unternehmen. Die Prüfung dauert ca. 1- 2 Stunden. Hierfür werden ca. 65 € zzgl. 21 % BTW pro Stunde angesetzt. Außerdem werden die Fahrtkosten mit 19 Cent in Rechnung gestellt. Das Inspektionsunternehmen meldet sich bei Ihnen zwecks Terminabsprache. Fragen Sie in diesem Zusammenhang nach den entstehenden Kosten. Die Rechnung erhalten Sie dann über die Stichting Sterkin.

Es wird auch überprüft, ob Sie im Besitz der niederländischen Normen NEN 1010 und NEN 3140 sind. Leider gibt es diese Vorschriften nur in niederländischer Sprache. Sie können die Normen NEN 1010 zum Preis von € 340.40 zzgl. 21 % BTW bestellen unter www.nen.nl. Geben Sie hierzu in das Suchfeld „NEN 1010“ ein.

Die NEN 3140 können Sie zum Preis von € 87,25 zzgl. 21 % BTW ebenfalls unter www.nen.nl bestellen.
Nach Abschluss der Arbeiten werden diese von der Stichting Sterkin stichprobenartig überprüft.

Den niederländischen Text der Regelungen für die Anerkennung bei der Stichting Sterkin können Sie unter www.sterkin.nl downloaden. Klicken Sie auf „Installateurs“, „Erkenningsregelingen“ und dann auf „REI 2008“.

3. Sozialversicherung
Grundsätzlich sind Arbeitnehmer im Arbeitsland sozialversichert. Für vorübergehende Tätigkeiten im Rahmen der Entsendung ins EU-Ausland gibt es jedoch Ausnahmen. Soweit die Entsendung nicht länger als 24 Monate andauert, bleiben Ihre Arbeitnehmer weiterhin in Deutschland sozialversichert. Der Nachweis hierüber wird mittels der sog. A 1 Bescheinigung erbracht, die Sie über die jeweilige Krankenkasse Ihrer AN anfordern können. Auch Sie als Selbständiger müssen die A 1 Bescheinigung beantragen, soweit Sie selbst in den Niederlanden tätig werden. Die hierzu notwendigen Antragsformulare können Sie bei der Deutschen Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland downloaden: www.dkva.de (Arbeiten im Ausland).

4. Lohnsteuer
Zwischen der Bundesrepublik und den Niederlanden gibt es ein Doppelbesteuerungsabkommen, das genau regelt, ab wann und unter welchen Bedingungen Lohn- und Einkommensteuer an welchen Staat abzuführen ist. Arbeitnehmer sind grundsätzlich im Arbeitsland lohnsteuerpflichtig; sie bleiben in der Bundesrepublik (dem Wohnland) lohnsteuerpflichtig, wenn sie nicht länger als 183 Tage im Kalenderjahr in den Niederlanden und dort nicht in einer niederländischen Betriebsstätte des deutschen Arbeitgebers tätig sind. Bei Bauausführungen geht das Doppelbesteuerungsabkommen davon aus, dass eine Baustelle nach 12 Monaten zur Betriebsstätte wird. Die niederländischen Finanzbehörden neigen aber dazu, Bauarbeiten für einen Auftraggeber an verschiedenen Baustellen zu einer Baustelle zusammenzufassen, so dass diese 12 Monate unter Umständen schnell zusammengerechnet werden und Lohnsteuer in den Niederlanden für das gesamte Kalenderjahr verlangt wird.

5. Mehrwertsteuer
Sie erbringen die Bauleistungen in den Niederlanden, werden damit in den Niederlanden grundsätzlich umsatzsteuerpflichtig. Wenn es sich beim Auftraggeber um eine deutsche Firma ohne umsatzsteuerrechtliche Registrierung oder einen niederländischen Privatmann handelt, findet die sog. Verlegungsregelung keine Anwendung, wonach die Rechnung netto gestellt werden könnte. Sie müssen also in Ihrer Rechnung die niederländische Umsatzsteuer (21 % BTW) ausweisen und in den Niederlanden abführen. Hierzu müssen Sie sich beim Finanzamt in Heerlen zunächst als Unternehmer registrieren lassen. Dies kann formlos geschehen, in dem Sie (auch in deutscher Sprache) Ihre Tätigkeiten, Umfang und Dauer in den Niederlanden schildern und um Zuweisung einer Umsatzsteuernummer bitten. Sollte es sich um einen einmaligen Auftrag handeln, können Sie in dem Schreiben darauf hinweisen, damit Sie in der Folge nicht regelmäßig zur Abgabe der Umsatzsteuererklärung in den Niederlanden aufgefordert werden. Sprechen Sie diesbezüglich auch mit Ihrem Steuerberater, um eventuell andere Möglichkeiten abzuklären.

Belastingdienst/Limburg/kantoor Buitenland
Kloosterweg 22, Postbus 2865, NL-6401 DJ Heerlen
Tel: +31-555385385
erreichbar Mo - Do von 08.00 - 20.00 Uhr
Fr von 08.00 - 17.00 Uhr

Handelt es sich bei Ihrem Auftraggeber um eine Firma mit Sitz in den Niederlanden, kann die Verlegungsregelung (auch Reverse-Charge-Verfahren genannt) angewandt werden. Dies bedeutet: Vermerken Sie auf der Rechnung Ihre Umsatzsteuer- Ident-Nummer und die niederländische BTW-Nummer Ihres Auftraggebers und verweisen Sie durch den Satz "BTW verlegt" auf das Reverse-Charge-Verfahren. In diesem Fall führt Ihr Auftraggeber die auf den Rechnungsbetrag entfallende niederländische Umsatzsteuer direkt in den Niederlanden ab.


Berater/in
Andrea Severiens